Gastvortrag über Mitgefühl, Vergebung und Liebe

Joaquín José Martínez erwies unserer Schule erneut die Ehre, seine Geschichte mit jungen Menschen zu teilen: Er lebte in Florida den American Dream und stürzte jäh, als er im Rahmen eines Rosenkrieges und des Sorgerechtsstreits um seine kleinen Töchter von seiner Ex-Frau mit einem Doppelmord in Verbindung gebracht worden war.

Fesselte sein Publikum- Joaquín José Martínez während seines bewegenden Vortrages. (Foto: J. Christ)

Durch Skurrilitäten des US-Justizsystems sollte er unschuldig zum Tode verurteilt werden und drei Jahre im Todestrakt vegetieren. Dort verlor er alle Hoffnung und den Glauben an Gott und die Welt. Nachdem sich insbesondere sein spanischer König Juan Carlos I., die EU sowie Papst Johannes Paul II. für ihn stark machten, konnte er in einem Berufungsprozess durch erwiesene Unschuld freigesprochen werden und als erster Europäer einen US-Todestrakt lebend verlassen. Ohne Entschuldigung, ohne Entschädigung, doch als geläuterter Mensch, Mann und Vater begann er sein zweites Leben. Seitdem erläutert er seine Geschichte, seine persönliche Sicht auf die Todesstrafe und alles was dazugehört: Physische und psychische Folter, Einzelhaft ebenso wie die Freundschaften mit Schicksalsgenossen, welche nicht die finanziellen Mittel hatten, um ihre Unschuld zu Lebzeiten zu beweisen. Schüler wie Lehrer klebten an seinen Lippen, als er tiefgründig und humorvoll zugleich in intimer Atmosphäre den Zuhörern direkt ins Herz sprach. Die nicht allzu hohe sprachliche Hürde des Vortrages auf Englisch vermochte seine Botschaft von Mitgefühl, Vergebung und Liebe mit Leichtigkeit zu nehmen. Im Gespräch mit zahlreichen Betroffenen wurde Herrn Martínez bewusst, dass die Todesstrafe den Hinterbliebenen der Opfer keine Möglichkeit des Abschlusses oder inneren Frieden verschafft und letztlich nur für weiteres Leid bei allen Beteiligten sorgt. Besonders betonte er, wie wichtig ihm die jungen Zuhörer sind, auch im Vergleich zu Politikern, mit denen er ins Gespräch kommt, denn den Jugendlichen gehört die Zukunft. Im Anschluss an den Vortrag freute er sich sichtlich über die Anfragen der Schüler und persönliche Begegnungen. An dieser Stelle danken wir herzlich der Gemeinschaft Sant’Edigio, welche sich für die Menschenwürde und für die Abschaffung der Todesstrafe engagiert. Sie hat diesen Vortrag erst ermöglicht. Wir freuen uns sehr darüber, dass Herr Martínez auch zukünftig seine Botschaft unseren Schülern erfahrbar machen möchte.

T. Schüssler
14.11.2025